Diskussionsrunde und Infos zu Rojava – Mi. 7.12.16 Luzern

ESSEN + AUSTAUSCH + Infoabend zur aktuellen Situation in Rojava (Nordsyrien)

19 Uhr – Essen
20.30 Uhr – Infos aus Rojava, dem Norden Syriens
Ort: Bistro
Eintritt: Freie Preise

Im Norden Syriens kämpfen Kurd*innen für ein selbstbestimmtes Leben. Leicht ist das angesichts der militärischen Auseinandersetzungen mit radikalislamischen Gruppen wie IS nicht. Wir informieren uns über die aktuelle Situation, Herausforderungen und Hoffnungen.


Mondoj ist ein antirassistischer Treffpunkt und Austausch. Am Mondoj-Abend im Neubad wird gegessen, vernetzt, diskutiert und informiert über aktuelle Projekte. Mit den Einnahmen aus dem Abendesen wird die Autonome Schule Luzern unterstützt. Sie ist ein selbstorganisiertes Bildungsprojekt von Leuten mit verschiedenen Aufenthaltstiteln.
Mehr Infos: https://autonomeschuleluzern.wordpress.com/

Anja Flach: Lesung & Kommentar zu Sakine Cansız Biografie

Sakine Cansiz (Sara) war Gründungsmitgliederin der PKK und wurde 2013 zusammen mit zwei weiteren Genossinnen bei einem politischen Attentat in Paris ermordet. Ihr ganzes Leben widmete Sara dem Widerstand gegen Unterdrückung.

veranstaltung_sakine_anja
Für die kurdische Freiheitsbewegung und dort insbesondere für die Frauen ist Sara eine wichtige Kämpferin. Ihr Einsatz für die Befreiung der unterdrückten Bevölkerung Kurdistans, ihre langjährige, von Folter durchzogene Inhaftierung und ihr ungebrochener Kampfgeist sind zentrale Punkte ihrer Lebensgeschichte.

Anja Flach wird uns die Biografie von Sakine Cansiz näher bringen und über die kurdische Frauen- & Freiheitsbewegung berichten. Anja Flach war selbst Teil der kurdischen Guerilla und in den 90er Jahren in den Bergen Kandils. Zudem wird sie am Samstag 29.10. in Basel und am 30.10. in Zürich zu anderen Themen zu sehen bzw. hören sein.

28.10.16 | 19 Uhr | Kurdischer Kulturverein | Fischermättelistr. 6 | Bern

„Widerstand statt Angst“ – Gespräch mit Diyarbakirs Co-BürgermeisterIn

Wir hatten die Möglichkeit die Diyarbakirs Co-Bürgermeisterin Gültan Kışanak und Firat Anli zu treffen und sie zu den aktuellen Ereignisse in der Türkei zu befragen:

kisanak-und-anli

Amed (türkisch Diyarbakır) wurde im Winter Schauplatz heftiger, kriegerischer Auseinandersetzungen. Ende 2015 wurden in allen Teilen des historischen Stadtteils „Sur“ Ausgangssperren ausgerufen, welche länger als 100 Tage in Kraft blieben. Dazu begann das türkische Militär den Stadtteil mit Artillerie, Panzern und Spezialeinheiten anzugreifen.

Kräftiger Widerstand und entschlossene Selbstverteidigungsstrukturen erschwerten dem Militär das Eindringen ins Quartier. Häuserkämpfe und Bombardements hielten monatelang an. Scharfschützen schossen auf alles was sich bewegte, egal ob Kinder, Helfer*innen oder verletzte Zivilisten. Viele der über 50’000 Einwohner*innen des Stadtteils mussten das umkämpfte Gebiet verlassen. Nur dank der grossen Solidarität der restlichen Stadtbevölkerung konnten die vielen tausend Flüchtlinge im nahen Umkreis von Sur untergebracht werden.

Mitte März 2016 wurde die Ausgangssperre in einigen Viertel Surs gelockert. Den rückkehrenden Einwohner*innen wurde von Seiten der kurdischen Bewegung und der Stadtverwaltung geholfen, so wurden Häuser und Infrastruktur wieder repariert. Zum heutigen Zeitpunkt konnten rund 90% der Bevölkerung wieder in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren. Jedoch wurden in fünf Distrikten die Ausgangssperren aufrecht erhalten. Sie sind sind bis Heute nicht zugänglich und ihren ehemaligen Bewohner*innen bleibt keine Hoffnung auf eine Rückkehr. Denn dort wurden 2’000 Häuser komplett zerstört, zudem wurden historische Kulturgüter wie Kirchen und Moscheen im Zuge der neuen Raumplanung (Breitere Strassen, neue Polizeiposten..) abgerissen. Das ganze Viertel wurde komplett zerstört. Rund 23’000 Menschen – ehemalige Bewohner*innen und Gewerbetreibende – sind davon betroffen. 6’400 Familien wurden so Obdachlos. Ihnen bietet der Staat lächerlich kleine Entschädigungen an. Die „Entschädigungen“ werden von den meisten Vertriebenen jedoch nicht akzeptiert. Der Staat hat den Plan alle Bewohner*innen des Stadtteils zu enteignen und Sur zu verstaatlichen. So dass grosse Baukonzerne neu bauen können und private Investoren die Liegenschaften kaufen können. Es wird versucht gegen die Enteignungen und gegen die Zerstörung der Häuser juristisch vorzugehen, dazu wurden bereits über 1500 Klagen eingereicht. Im ganzen kurdischen Gebiet der Türkei leben zurzeit 400’000 Menschen, denen ihre Unterkunft vom türkischen Staat zerstört wurden und die kein Zuhause mehr haben.

Der Co-Bürgermeisterin war es wichtig, trotz der grossen Zerstörung des Stadtteils Sur darauf aufmerksam zu machen, dass es kleinere Städte wie z.B. Şırnak noch viel härter traf und trifft. Şırnak (liegt im strategisch wichtigen Dreiländereck Türkei/Syrien/Irak) wird nach wie vor militärisch Belagert und die Auseinandersetzungen dauern an.

Angriff auf Presse                                                                                                                Gülten und Firat kamen auch auf die seit langem schlecht dastehende Pressefreiheit in der Türkei zu sprechen. Die laufenden Angriffe auf die Journalist*innen und Medienstationen sind nicht besonders neu. Bereits in den 90er Jahren kam es vermehrt zu Razzien, Festnahmen und Schliessungen kurdischer und oppositioneller Medien. Jedoch hat die Intensität des Angriffes massiv zugenommen. So wurden bei früheren Aktionen Pressematerial wie Kameras, Computer, Tonaufnahmegeräte usw. nicht beschlagnahmt. Bei den aktuellen Aktionen, die sich gegen jegliche oppositionelle Presse stellen, sieht dies anders aus. Neben den Festnahmen wird jetzt auch gleich das komplette Material beschlagnahmt und die Medienhäuser geschlossen. Alle oppositionellen Medien sind davon betroffen, zudem werden sogar Fernsehsender mit ausschließlich Musik- oder Kinderprogramm geschlossen. Diese ganzen Aktionen werden dank dem Ausnahmezustand, welcher seit dem Putschversuch in Kraft ist ohne Gerichtsbeschluss und direkt vom Staat durchgeführt. Die BürgermeisterIn stellten die Frage in den Raum, was nach dem Kahlschlag der oppositionellen Presse folgen wird. Die Antwort darauf ist sehr wahrscheinlich wenig erfreulich…

Entmachtung der Stadtverwaltungen                                                                           Auch auf die aktuellen Entmachtungen der kurdischen Stadtverwaltungen wurde eingegangen. In den letzten Wochen wurden 28 demokratisch gewählte Stadtverwaltungen (auch die des Stadtteils Sur) direkt vom türkischen Staat entmachtet. 21 BürgermeisterInnen befinden sich in Untersuchungshaft. Rund drei Millionen Menschen leben in diesen Gebieten, die nun unter Zwangsverwaltung gestellt wurden. Die Angriffe auf die Stadtverwaltungen sind Angriffe gegen die ganze kurdische Bewegung, gegen ihre Selbstverwaltung und insbesondere auch gegen die Frauen. Denn ihre Organisierung wird von den eingesetzten, türkischen Treuhänder als erstes ins Visier genommen. Widerstand gegen die Entmachtungen kommt unter Anderem von den Partnerstädten. Beispielsweise die Partnerstadt von Sur, Çanakkale anerkannte den neu eingesetzten türkischen Treuhänder Surs nicht an und gab zu verlauten, sie hätten eine Partnerschaft mit der Bevölkerung von Sur, nicht mit dem Zwangsverwalter.

Gülten Kisanak erwähnte eine Anekdote von einem Treffen mit dem abgesetzten türkischen Ministerpräsidenten Davutoğlu. Als Davutoğlu Diyarbakır besuchte, wurde er gefragt, ob er die schlimmen Zustände, welche der Krieg geschaffen hat nicht sehe? Er antwortete: „Ich sehe sie schon, aber wer erklärt das dem Führer?“ Mit dem „Führer“ war Erdogan gemeint, und Davutoğlu ist alles andere als ein Freund der kurdischen Bewegung…

Zum Abschluss wurde deutlich gesagt, dass trotz der brutalen staatlichen Angriffe der Widerstand ungebrochen und stark weitergeht. Die kurdische Bewegung wird nicht von der Angst gelähmt, sondern vom Widerstand angetrieben!

Serkeftin!

Kommende Veranstaltungen

– Do. 22. Sep 2016, 19 Uhr; Linkes Zentrum Mathilde Müller (Jahnstr. 47/1, VS-Schwenningen) Zusammen mit dem Revolutionärer Aufbau Schweiz werden wir in Villingen über die Lage in Rojava und Sengal berichten. Darüber wie wir die Revolution in Rojava/Sengal unterstützen können und was wir aus ihr lernen können, um unsere Kämpfe hier zu verstärken.
solidaritc3a4t
 
– Sa. 24. Sep 2016; ab 18Uhr, Brache, Lorraine, Bern – Am Anarchistisches Quartierfest wird Rojava gleich mehrmals Thema sein. Einerseits werden wir mit den solidarischen Freunden von Jeteur de Pierres und Fr(A) Strassenkunst zum Kauf anbieten um mit dem Erlös unsere Projekte zu unterstützen. Andererseits wird über die laufende Kampagne der Secours Rouge zum Blutstoppmittel #Celox informiert, dazu gibt es aktuellste Informationen aus Rojava/Nordsyrien und Sengal/Irak.
14390999_698960203585672_1146758561436892067_n
 
– Mo. 26. Sep 2016 – 19:30 Uhr, AKuT, Thun – Anlässlich des Themenmonates „80 Jahre Spanischer Bürgerkrieg“ werden wir mit euch über Parallelen zwischen Rojava und Spanien sprechen. Ist Rojava 2016 vergleichbar mit Spanien 1936?
Plaki-September11

Rehabilitationszentrum für Kriegstraumatisierte Kinder (Projekt von Heyva Sor a Kurdistane CH)

Neben unserer Info und Filmwand gesellt sich seit dieser Woche auch der Info und Essensstand von Heyva Sor a Kurdistane dazu. Zusammen werden wir in den kommenden Wochen kochen, essen, musizieren, spielen, Filme schauen, diskutieren und einander besser kennenlernen! Alle Spenden während dieser Zeit fliessen in das geplante Spendenaufruf für Rehabilitationszentrum Kinder in Rojava!

Ab Mittwoch 31.08. gibt es zudem eine beeindruckende Fotoausstellung aus Afrin und Cizre zu sehen. Der Fotograpf Manu Friederich stellt einige seiner Bilder aus! Am Abend folgt der Themenabend zur Frauenbefreiung mit dem Film über die YPJ und einem LIVE-Interview mit einer YPJ Kommandantin aus Afrin!

Kommt vorbei, ab 12 Uhr gibt es täglich Essen, Kinderprogramm & Fotoausstellung und um 20Uhr folgt der Film, am 31.08. anschließend mit live YPJ-Interview (wenn es die Kriegssituation zulässt).

14115399_1420895451259662_278615327032841885_o

In den nächsten Tagen folgen noch Konzerte und weitere Filmvorführungen. Auf dem laufenden bleibt ihr hier auf dem Blog oder auf Facebook.

Zwei Wochen „Perspektiven bauen“ am NeustadtLab

Anlässlich der autofreien Schützenmatte besetzen wir einige Parkfelder um auf die Situation in Rojava aufmerksam zu machen, zusammen zu diskutieren und Filme zu schauen. Tagsüber gibts einige interessante Infos, Broschüren und Plakate zum begutachten und jeweils am Sonntag und am Mittwoch gibts Filmabende, nächsten Donnerstag (25.8.) zudem eine Diskussion zur Lage von Öcalan und seiner Rolle für die kurdische Freiheitsbewegung.

S7001161

Veranstaltungen ab 19Uhr, Film ab 20Uhr

Erlebnisbericht: Daesh-Attack in Qamishli

Unser Freund aus Qamishli ist kurz nach dem IS-Anschlag von einem Ausflug zurückgekommen. Hier sein Bericht über das Erlebte.

We arrive three hours after the explosion. I don’t recognize the place. All the marks of it – the blue barrier, the writing on the wall, the small shop at the corner where I used to buy cigarettes, the pharmacy on the other side where Ronahî, Bakûr and Gulan were drinking tea with the shopkeeper with the abnormally built torso last week – are dust and rubble. I must be mistaken. But the flags and banners flying in the distance at either end of the long main street, tell me that this is the place.

Everywhere there are people. Many are helping to clear the rubble, many are watching, filming the carnage with their mobiles, some are crying. Several cranes and baggers are slowly clearing away the debris, trying to lift up the concrete floors that have caved in like a cardhouse. The still air carries a stench of dust, gasoline, and burned meat.

Qamishli Daesh Anschlag 2

I maneuver through the crowd and the mounds of rubble that were once an apartment block. Through a small hole I look into a basement that hasn’t caved in. When I turn away I hear a voice. There are two people trapped down there. One is conscious. Within seconds dozens of people crowd around the small hole. Slabs of concrete are dangling over our heads from the storeys above like a damocles sword, still half-attached to the metal rods sprouting from the holes.

We start clearing the rubble on the other side of the street, with the faint hope that someone might have miraculously survived beneath the stones. With every brick I lift up a small knot of panic tightens in my chest. I don’t want to know what’s beneath it. But then there’s no mangled body. Just more dust and rubble.

A blonde teenager stumbles through the wreckage. She says she knows me from the youth center, but that she forgot my name. I tell her and ask for her’s. She’s Viyan. “It smells like blood” she says. Her aunt and cousin were at the site when it happened. They were brought to the hospital. How are they? “Gone.”

Qamishli Daesh Anschlag

 In silence we work. From time to time we find bits of charred meat and skin, barely recognizable as belonging to a human. For a second I wonder whether it’s from someone I know. We collect the pieces in black plastic bags and bring them to the ambulances.

Some bizarre objects stick out from the debris. A spool of red wool. A highway map of southern Germany. A fridge, the contents of which are still cool and fresh. The hospitals call for urgent blood donations so we leave. I’m incredibly hungry. When I try to sort my emotions I find only one that I can bear feeling right now. And while we walk back into the normal world one thought circles my head and subdues the rest.

The enemy will pay.

The enemy will pay.

The enemy will pay.

Im Video die ersten Minuten direkt nach dem Anschlag, mit einer weiteren Explosion.