Aufruf

Liebe Bars, liebe Beizen, liebe Nachtclubs
Liebe Veranstalter_innen, liebe Musiker_innen, liebe Künstler_innen
Liebe Alle

Nach monatelangen Kämpfen konnte der sogenannte »Islamische Staat (IS)« Ende Januar 2015 von den Selbstverteidigungseinheiten YPG und YPJ aus der Stadt Kobanê zurückgedrängt werden. Zurück bleiben Ruinen – oder das Fundament einer neuen Gesellschaft. Mit diesem Brief wollen wir dich/euch bitten, unsere Spendenkampagne zur Unterstützung der Bevölkerung in Rojava (Westkurdistan/Nordsyrien) zu unterschreiben und/oder mit einem konkreten Beitrag zu unterstützen.

Kobanê war lange sehr präsent in unseren Medien – die kurdische Stadt im Norden Syriens, welche sich als Bollwerk dem Terror der IS widersetzt. Doch Kobanê ist mehr als das: Es ist einer von drei Kantonen der autonomen Region Rojava, wo seit drei Jahren ein politisches System demokratischer Selbstverwaltung aufgebaut und gelebt wird. Die »demokratische Autonomie« steht für Gleichstellung aller, unabhängig von allfälligen nationalen, ethnischen oder religiösen Unterschieden, und basiert auf der Selbstorganisation der Bevölkerung in Räten und Versammlungen, um alle Aspekte des Lebens gemeinsam zu gestalten.

Dieser Versuch einer fortschrittlichen Gesellschaftsform ist mit der Belagerung durch den IS in arge Bedrängnis geraten. Als Ergebnis der Offensive des IS sind mehr als 80% der Stadt, hunderte umliegende Dörfer, Schulen und Krankenhäuser komplett zerstört. Hunderttausende sind auf der Flucht und werden von Blindgängern oder Minen, welche der IS auf dem Rückzug noch zurückgelassen hat, daran gehindert zurückzukehren. Die Einfuhr von dringend benötigten Medikamenten und Materialien für den Wiederaufbau ist durch das bestehende Embargo der Nachbarstaaten massiv erschwert, weshalb von verschiedenen Seiten die Errichtung eines humanitären Korridors über die Grenze Türkei-Syrien gefordert wird. Trotz der erheblichen Medienaufmerksamkeit rund um die Kämpfe gegen den IS, wird der soziale Kampf der Bevölkerung für eine gleichberechtigte Gesellschaft in Form der demokratischen Autonomie weitgehend nicht beachtet, wenn nicht sogar sabotiert. Umso wichtiger ist unsere Solidarität!

Die humanitäre Situation ist katastrophal. Es fehlt an Wasser, Medikamenten, Kleidung oder Baumaterial, weshalb wir einen Beitrag leisten wollen. Wir sammeln Geld, um es den Strukturen vor Ort für den Wiederaufbau der Stadt, der Dörfer, der benötigten Infrastruktur und für die Weiterentwicklung der begonnenen Selbstverwaltung zur Verfügung zu stellen. Alle gespendeten Beiträge werden direkt den Aktivist_innen übergeben, da sie den Bedarf einschätzen und das Geld so bestmöglich einsetzen können.

Wir verstehen uns als Aktivist_innen und Kulturschaffende, die sich für eine Gesellschaft jenseits von Herrschaft, Unterdrückung und Ausbeutung einsetzen. Mit der Spendenkampagne »Perspektiven bauen – Solidarität mit Rojava« zeigen wir uns solidarisch mit der Bevölkerung Rojavas. Wie du dich/ihr euch an der Kampagne beteiligen willst/wollt, ist dir/euch überlassen. Egal, ob an der nächsten Veranstaltung ein Spendentopf aufgestellt wird, der Eintritt an einem Abend 1 Franken mehr kostet, ein Solibier verkauft, ein bestimmter Betrag gespendet oder eine Soliveranstaltung durchgeführt wird, jede Spende ist willkommen. Je mehr sich beteiligen, desto grösser unser Effekt – finanziell wie auch inhaltlich.

Zeigen wir uns solidarisch! Beteiligt euch an der Kampagne und schickt diesen Aufruf weiter. Wenn du/ihr einen Beitrag leisten willst/wollt oder Materialien brauchst/braucht, melde dich/meldet euch bei uns: perspektiven_bauen@immerda.ch